Pionier der Musikpsychoanalyse
Dr. Bernd Oberhoff vereinte in der Kolping-Bildungsstätte in 20 Jahren Musik und Psyche
Dr. Bernd Oberhoff (r.) vereinte in 20 Jahren in der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld „Musik und Psyche“, hier bei der Verabschiedung mit der pädagogischen Leiterin Ameli Gertzen (M.) und dem Vorgänger Ullrich Beumer (l.). (Foto: Hagemann)
Einer der Pioniere der deutschen Musikpsychoanalyse
wurde nach 20jähriger freier Tätigkeit
als Dozent der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld in einem feierlichen Akt in den
Ruhestand verabschiedet.
„Der
Diplom-Psychologe Dr. Bernd Oberhoff – promoviert und habilitiert mit psychoanalytischen Themen – hat zwei Jahrzehnte für die Kolping-Bildungsstätte
die Geschicke und das Fortbildungskonzept nicht unwesentlich mitgeprägt“, so
die pädagogische Leiterin der Kolping-Bildungsstätte, Ameli Gertzen, in ihrer Laudatio.
Im Fachbereich psychosozialer Fortbildung bot Oberhoff Kurse für Sozialarbeiter
und Sozialpädagogen an, wie Leitung von Gruppen und Teams, gruppenanalytische
Selbsterfahrung bis hin zu mehrjährigen Ausbildungen zum Supervisor. Zusammen
mit dem bei der Feier anwesenden damaligen Leiter Ullrich Beumer rief er eine neue Zeitschrift mit Namen
„Freie Assoziation“ ins Leben. Doch Oberhoff war zugleich auch
Hauptverantwortlicher für den Fachbereich „Weiterbildung Musik“, wo er als
erfahrener Kammerchorleiter den Vokalbereich entwickelte. Oberton-Singen,
Barbershop-Singen, die Erarbeitung und Einstudierung einer ganzen Oper, „Orpheus
und Eurydike“ von Gluck, die 1989 an drei Abenden unter seiner Leitung in der
Stadthalle aufgeführt wurde, sowie weitere Aktivitäten im Vokalbereich - wozu renommierte
Fachleute aus dem In- und Ausland als Referenten auftraten - haben die
Kolping-Bildungsstätte als ein Ort anspruchvoller Vokalmusik bekannt gemacht. Schließlich
hat Oberhoff seine beiden Professionen, die des Psychologen und die des
Chorleiters in der Entwicklung eines ganz neuen Forschungsbereichs
zusammengeführt, nämlich dem der Musikpsychoanalyse. Im jährlich stattfindenden
„Coesfelder Symposium für Musik und Psyche“ hat er seit 2001 zusammen mit einem
Kollegenkreis sich diesem Spezialgebiet gewidmet. In dieser Zeit sind aus der Feder
von Bernd Oberhoff allein 14 Bücher erschienen, 10 psychoanalytische
Opernführer und drei Komponistenmonographien zu Christoph Willibald Gluck,
Heinrich Schütz und Wolfgang Amadeus Mozart. Die just in 2008 erschienene
Mozart-Studie ist im bekanntesten deutschen Politmagazin ausführlich besprochen
worden und hat in der Wiener Boulevard-Presse sogar für eine Schlagzeile
gesorgt.
Es kann keine Rede davon sein, dass Oberhoff sich nun zur Ruhe setzen will. Erst vor wenigen Wochen hat er zusammen mit seinen Kollegen die „Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik“ gegründet. Als Vorstandsmitglied will der dem Thema „Psychoanalyse und Musik“ zu noch größerer Bekanntheit und Anerkennung verhelfen und seine eigenen Forschungen – er arbeitet augenblicklich an einer Studie über Richard Wagner - weiter fortsetzen.
